Künstlerbuch, 2026
Diese Publikation wurde ermöglicht durch die Frankfurter Künstlerhilfe, des Kulturamtes Frankfurt, der hessischen Kulturstiftung für Wissenschaft und Kunst
Gestaltung
Anna Katharina
Krieger
Lektorat/
Proofreading
Deutsches Lektorenbüro,
Dr. Ursula
Ruppert
172 Seiten
114 x 184 mm
ISBN
978-3-96703-208-6
THE STORIES OF
MARMARA
in der Presse
Interview mit Robert
Schittko im DLF
Katharina J. Cichosch beschreibt Robert Schittkos Buch in der taz als persönliche Annäherung an Istanbul und das queere Leben der Stadt – zwischen gesellschaftlichem Druck, Protest und Freundschaft.
Björn Bernd,
männer media
„Seine ursprüngliche Idee, unter anderem queere Aktivist*innen auf der Straße zu porträtieren, musste schnell der Realität weichen. „Ich habe die Gefühle und Geschichten meiner Freund*innen schriftlich eingeordnet, um das alles zu verstehen.“
Robert Schittko verbringt sechs Monate in Istanbul und übersetzt das Erlebte nicht, wie man bei einem Künstler vermuten könnte, in Bilder, Plastiken oder Performances. The Stories of Marmara sind vielmehr literarisch verdichtete Beobachtungen über das Lebensgefühl der queeren Community zwischen Normalität und politischer Repression – ergänzt durch Fotografien und Zeichnungen. Ein Künstlerbuch über Freiheit und ihre Grenzen.
Robert Schittkos The Stories of Marmara sind so etwas wie ein Reisetagebuch. Und auch wieder nicht. Der Frankfurter Fotograf und Künstler übersetzt die Erlebnisse seiner Istanbul-Residency in eine Form literarisch verdichteter Non-Fiction. So weit, so klar.
Für einen Schriftsteller kein großes Ding. Loti, Sackville-West, Orwell – da bewegt man sich in guter Tradition. Für einen Künstler hingegen ist es eher eine Art Experiment. Mit einer Technik, ausserhalb seines üblichen künstlerischen Vokabulars. Nicht mehr die des Bildes sondern die des Wortes.
Schittkos Vorgehen, das eigentlich nur dem Selber-Klarwerden diente, erinnert damit eher an eine künstlerische Praxis, wie man sie von Sophie Calle kennt: Erfahrung als Ausgangsmaterial zu nutzen, für eine Art Selbstbild, das sich tastend aus den Begegnungen ergibt.
Schittko erzählt von Pride und Polizeigewalt, Inflation und politischer Repression, zugleich aber von Freundschaft, Alltag und queerer Community. Dabei gerät immer wieder die eigene Position ins Blickfeld: Was kann jemand von dieser Wirklichkeit verstehen, der nur vorübergehend Teil von ihr ist und jederzeit wieder gehen kann?
Schon in der 2023 gemeinsam mit Anna Nero gezeigten Ausstellung Lovers in the Backseat (siehe auch Monopol) waren Identität, persönliche Beziehungen und biografisches Material Ausgangspunkte seiner Fotografien und Skulpturen. The Stories of Marmara führt diesen Ansatz weiter.
Die Porträts der Menschen, denen Schittko begegnet, Bilder von Wohnungen und persönlichen Gegenständen sind keine dokumentarische Beweisführung. Sondern eine Fortsetzung der Erzählung mit bildnerischen Mitteln.
Die Gestaltung von Anne Katharina Krieger nimmt die Form der Short Story konsequent auf. Jede Geschichte erhält einen großzügigen Auftakt; die an Schreibmaschinenschrift erinnernde Typografie und viel freier Raum geben dem Buch einen eigenen visuellen Rhythmus.
So wird The Stories of Marmara weniger zum Buch über Istanbul als zu einem Buch über das Verhältnis von Erfahrung und Erzählung: darüber, wie aus Erlebtem eine Geschichte wird – und was sich davon verstehen lässt.
Mehr über Robert Schittko
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