
Julia Lohmann
Pictures of Travel
Reiseskizzen aus Israel, dem Nordjemen und New York
Mit Texten der Autorin in englischer Sprache
28 €
Künstlerbuch, 2026
Hardcover
Format 155 x 111 mm
Gestaltung
Joop Greypink
Übersetzung
Stephen Reader
148 Seiten
ISBN 978-3-96703-198-0
Julia Lohmanns Pictures of Travel versammelt skizzenhafte Reisenotizen aus Israel, dem Nordjemen und New York. Mit schnellen Setzungen, wenigen Linien und transparenten Farbflächen hält sie ihre Eindrücke fest. Ein Künstlerbuch über das Unterwegssein als besonderem Wahrnehmungsraum.
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Julia Lohmann’s Pictures of Travel brings together sketch-like travel notes from Israel, North Yemen and New York. With quick gestures, sparse lines and transparent fields of colour, she captures her impressions. An artist’s book about being on the move as a particular space of perception.
Eigentlich sollte das Paul Pozozza Museum in dieser Besprechung keine Rolle spielen. Geht es doch um eine gerade veröffentlichte künstlerische Arbeit von Julia Lohmann, nicht etwa um einen institutionellen Rahmen. Doch die Parallelen sind kaum zu übersehen. Denn das Paul Pozozza Museum, zu dessen Gründerinnen auch Lohmann gehört, war als Museum ohne festen Ort gedacht. Es sollte wandern, Künstlerinnen und Künstler in anderen Städten und Ländern aufsuchen und dort neue Projekte entstehen lassen. Nicht der institutionelle Raum war entscheidend, sondern das künstlerische Handeln.
Pictures of Travel zeugt auch vom Wandern bzw. dem Unterwegssein, und so ließe sich dieses kleine Buch zweifelsohne auch in dieser Hinsicht lesen, ohne dass man der künstlerischen Arbeit Abbruch täte. Lohmann blickt darin auf Reisen zurück, die sie in den 1970er- und 80er-Jahren unternommen hat. Israel, Nordjemen, New York: Die Orte könnten kaum unterschiedlicher sein. Was sich über die Seiten hinweg zusammensetzt, sind Beobachtungen, skizzenhaft festgehalten. Schnell, mit lockerer Hand hingetupfte Reisenotizen.
Natürlich sind reisende Künstler keine eigene Spezies, so wie es Reiseschriftsteller sind. Letztere wollen uns die Welt näher bringen, während Künstler das Entdeckte eher für die eigene Arbeit nutzten. So stehen ihre Notiz- oder Skizzenbücher immer in einer interessanten Verbindung zum Hauptwerk. Weil sich hier etwas zeigt, das flüchtiger ist und frei vom Zwang der großen Komposition. Man denke nur an August Mackes Tunisreise und daran, welchen Raum sie für das Ausprobieren eröffnete. Oder an die Ölstudien der romantischen Landschaftsmaler. Bei Lohmann scheint es hier jedoch weniger darum zu gehen, welche Veränderungen daraus für das weitere Werk entstanden. Sondern wie der Ortswechsel die Bedingungen des Sehens verändert.
Wichtiges und Nebensächliches sind noch nicht vorsortiert. Dinge fallen ins Auge, gerade weil sie eben nicht selbstverständlich sind. In Israel ist es die Mondsichel, die anders am Himmel steht als zu Hause. Im Jemen farbige Glasfenster und bemalte Blechtüren, die Lohmann auch deshalb interessieren, weil sie selbst begonnen hatte, auf Blech zu malen. In New York bleiben neben Wolkenkratzern und Museen plötzlich ein Duftfläschchen auf dem Armaturenbrett eines Taxifahrers oder die unbekannten Stifte und Papiere eines Geschäfts am Canal Street hängen.
Flüchtigkeit ist dabei Programm. Schnelle Setzungen, wenige Linien, transparente Farbflächen: Sie scheinen festhalten zu wollen, was gerade erst visuell aufgeschnappt wurde, ohne dass aus der Beobachtung gleich eine Erklärung wird.
Und plötzlich ahnt man, so wie bei dem Paul Pozozza Museum, was in einem raumoffenen Format so alles möglich ist.
Mehr über Julia Lohmann und das Paul Pozozza Museum.
