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Katrin Bremermann KRAUTin Verlag 978-3-96703-199-7_Innenseiten_1

Katrin Bremermann

Katrin Bremermann

Mit einem Interview von Kristof de Clerq
Buch in englischer und französischer Sprache

40 €

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Künstlerbuch, 2026

Schweizer Broschur
Format 230 x 297 mm

Gestaltung
Dirk Lebahn

172 Seiten

ISBN 978-3-96703-199-7

Katrin Bremermanns Buch übersetzt ihre künstlerische Arbeitsweise in eine Form des Sehens. Ohne Titel auf dem Cover, mit wechselnden Perspektiven, Raumaufnahmen und fotografischen Fundstücken stellt es die Arbeiten ins Zentrum. Geometrie, Farbe und Material treffen auf Beobachtungen aus dem Alltag – ein Buch über Schauen und Erkennen.

Katrin Bremermann puts seeing itself to the test. With no title on its cover, the book juxtaposes her geometric works with installation views and photographs of everyday forms. Moving between looking and recognizing, it invites connections without telling us what to see – or how to read it.

Katrin Bremermann met à l’épreuve le regard lui-même. Sans titre sur la couverture, le livre fait dialoguer ses œuvres géométriques avec des vues d’exposition et des photographies de formes du quotidien. Entre regard et reconnaissance, des liens se créent sans que le livre nous dise quoi voir – ni comment le lire.

Wenn es so etwas wie ein voraussetzungsloses Sehen gäbe, läge es jetzt in Form eines Buches vor uns. Kein ablenkendes Wort auf dem Cover. Null Hinweis darauf, worum es geht. Oder gar mit wem man es zu tun hat.

Das bringt diese Besprechung in eine verzwickte Situation, zugegebenermaßen. Denn sie ist ja dazu da, genau das Gegenteil von dem zu tun, was dieses Cover von einem will:   das zu Sehende in etwas zu Lesendes übersetzen.

Aber geht das überhaupt? Können wir etwas erkennen, ohne etwas darüber zu wissen? Wie will man etwas beschreiben, ohne die Möglichkeit der Einordnung? Das Buch Katrin Bremermann rührt also an den Grundfesten unserer Wahrnehmung. Und das eigentlich „nur“, weil es das in Gestaltung übersetzt, wie die Künstlerin Katrin Bremermann ihre Arbeitsweise im Gespräch mit dem belgischen Galeristen Kristof De Clercq beschreibt:

„Painting takes about ten percent of my time, the rest is looking and recognizing.“

Der wichtige Punkt ist also für Bremermann gar nicht so sehr das Erkennen an sich. Es ist das WiederErkennen, um das es ihr geht, als eine Form des Einordnens. Bremermanns Arbeiten erscheinen frontal, als Detail, aus unterschiedlichen Perspektiven oder im Raum. Dazwischen tauchen Fotos auf: ein Blatt, eine Pusteblume, ein ornamentaler Fliesenboden. Auf den ersten Blick assoziativ. Keine Erklärung. Sie sind einfach da.

Und trotzdem beginnt das Auge, in solchen Sachen geübt, Verbindungen herzustellen um sich eines wie auch immer gearteten, zugrundeliegenden Sinnes zu vergewissern. So besitzt die Pusteblume etwas Geometrisches, der Fliesenboden wird zur Komposition, im Blatt entdeckt man eine Ordnung aus Linien und Flächen. Die Geometrie, ihre klaren Formen und kaum gebrochenen Farben, beginnt organisch zu wirken, was ihnen etwas von der kühlen technischen Strenge nimmt.

Aus der Nähe werden mit Wachs getränkte Papiere transparent und körperlich, eingeprägte Raster zu feinen Reliefs. Stahl wird so dünn, dass er beinahe wie Papier erscheint. Und was frontal noch als Fläche gelesen werden kann, wird in den Raumaufnahmen zum Körper, der sich je nach Standpunkt verändert.

„I look for the moment where the balance is there but hasn’t quite settled yet“, beschreibt Bremermann diesen Zustand.

Das gilt für das Buch im gleichen Maße. Es bringt die Arbeiten nicht in einem gleichförmigen Raster zur Ruhe. Maßstäbe und Perspektiven wechseln, einzelne Werke bekommen eine ganze Seite oder viel leeren Raum, andere werden in mehreren Ansichten gezeigt. Fotografien treten neben Kunstwerke, ohne dass ihre Beziehung festgeschrieben würde. Immer wieder entstehen Zusammenhänge – und bleiben doch offen genug, um noch etwas anderes darin sehen zu können.

Vielleicht ist deshalb ausgerechnet der fehlende Titel auf dem Cover die deutlichste Ansage dieses Buches.

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