
Martin Zellerhoff & Katja Sengelmann
BRUNO TAUT Waldsiedlung
Fotografien und vier Lebensgeschichten
Mit einer Einführung von Carolin Senftleben
16,80 €
Softcover mit Klappe
170 x 240 mm
Vorwort
Carolin Senftleben
Fotografien
Martin Zellerhoff
Biografische
Lebensgeschichten
Katja Sengelmann
Gestaltung
Alexander Hilbert
978-3-96703-200-5
Wie lebt es sich mit Architektur? Katja Sengelmanns Gespräche mit Bewohner*innen und Martin Zellerhoffs Fotografien erzählen vom Alltag in Bruno Tauts Waldsiedlung Zehlendorf. Anlässlich der Aufnahme ins UNESCO-Welterbe erscheint das sozialhistorische Porträt 2026 in fünfter Auflage und neuer Gestalt.
Eine ausführliche Besprechung finden Sie in der Desktop-Version.
Architektur im Alltag ist ein Thema, das in der Bauwelt eigentlich eher stiefmütterlich behandelt wird. Geht es dort doch mehr um Konstruktion, Kontext und Material.
Umso bemerkenswerter ist dieses Buch, das nun schon in der fünften Auflage erscheint, weil es etwas kondensiert, das man sonst schwerlich findet. Nämlich eine Antwort auf die Frage, wie es sich denn nun mit der Architektur lebt. In vier exemplarischen biografischen Geschichten hat Katja Sengelmann die Lebenslinien der Häuser verdichtet. Ihre Aufzeichnungen erzählen vom Leben in der Waldsiedlung Zehlendorf seit den 1940er-Jahren, von Nachbarschaft und Alltag und davon, wie sich die Häuser über Generationen hinweg bewohnen und aneignen lassen. Gerade deshalb haben die Texte auch zehn Jahre nach ihrem ersten Erscheinen nichts von ihrer sozialhistorischen Bedeutung verloren.
Als Bruno Taut – Waldsiedlung 2016 erstmals erschien, war an die Auszeichnung als Weltkulturerbe noch längst nicht zu denken. Und doch nimmt das Buch ziemlich genau den Blick vorweg, mit dem die Siedlung heute gewürdigt wird. Geschützt werden hier keine musealen Einzelbauten, sondern gelebte Architektur, in der Bewahren und Benutzen zusammengehören.
Martin Zellerhoff kam allerdings auf ganz anderem Wege zu dieser Buch-Idee. Ihm war aufgefallen, dass es keine Postkarten oder charakteristischen Bildmotive der Waldsiedlung gab. Also begann er, seine eigenen Ansichten des Viertels zu fotografieren.
Seine Aufnahmen – streng sachlich, alles andere als klassische Architekturaufnahmen. Keine freigestellten Häuser, keine vom Leben bereinigten Blickachsen. Straßen, Bäume und Gärten gehören genauso dazu wie die Spuren des Alltags. Die Architektur erscheint nicht als einzelnes Objekt, sondern als Teil eines gewachsenen Lebensraums.
Tauts Häuser waren nie dafür gedacht, irgendwann einmal als Denkmal betrachtet zu werden. Sie entstanden aus dem sozialreformerischen Wohnungsbau der Weimarer Republik. „Licht, Luft und Sonne“ sollten keine Luxusgüter sein, sondern gutes Wohnen für viele Menschen ermöglichen. Und genau diesen Zusammenhang stellt auch die heutige Welterbe-Begründung heraus.
Damit schreibt die Geschichte wieder eine ihrer eigenwilligen Pointen. Bruno Taut musste 1933 vor den Nationalsozialisten Deutschland fliehen. Heute findet ausgerechnet die Architektur, für die er stand, als Weltkulturerbe eine besondere Anerkennung. Natürlich geschieht das nicht wegen Tauts persönlichem Schicksal, sondern wegen der Bedeutung seiner Arbeit. Und doch kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, als käme doch noch ein klein bisschen von dem, was ihm widerfahren ist, wieder in Ordnung.
Diese Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart findet sich auch in der Gestaltung wieder. Das Buch orientiert sich an Tauts Klassiker Ein Wohnhaus und verbindet dessen Gestaltung mit Zellerhoffs ursprünglicher Postkarten-Idee: Die Fotografien erscheinen im Hoch- oder Querformat, jeweils mit dem weißen Rand einer klassischen Kunstpostkarte.
Bruno Taut – Waldsiedlung ist damit tatsächlich das Buch zum Weltkulturerbe, weil es etwas zeigt, das zu seiner Auszeichnung gehört: eine Architektur, die sich nicht vom Leben trennen lässt.
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