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Igor Oster | SPUR DES ATEMS | KRAUTin Verlag | innen 1

Igor Oster

Spur des Atems

Aquarelle

Mit einer Einführung von Bettina Nolting

15,00 €

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Künstlerbuch, 2026

Softcover mit Fadenheftung

Format 210 x 210 mm

Mit einer Einführung
von Bettina Nolting

44 Seiten

ISBN 978-3-96703-212-3

Wie malt man Klang, Resonanz oder Atem – Phänomene, die keine abbildbare Gestalt besitzen? Igor Osters Antwort auf diese Frage sind großformatige Aquarelle, in denen energetisch aufgeladene Farbkörper aufeinandertreffen und Pigmente explodieren. Malerei als eingefrorene Bewegung – und als Versuch, das Nicht-Sichtbare sichtbar zu machen.

Die Physik ist von der Kunst gar nicht so verschieden. Beide fühlen sich auf ihre Art dem Sichtbarmachen verpflichtet – sei es durch das Experiment oder den Malgestus. Und manchmal, wie im Falle Igor Osters, korrelieren beide auf ungewöhnliche Weise.

So setzt sich Igor Oster in seinem neuen Buch Spur des Atems mit Kräften, Feldern, Schwingungen und Resonanzen auseinander – allesamt Phänomene, die für das bloße Auge keine unmittelbar sichtbare Gestalt besitzen. Sie werden für uns erst erkennbar durch das, wenn sie in Wechselwirkung mit etwas anderem treten.

Igor Osters Werktitel Klangimpuls, Resonanzfeld oder Im Feld des Einklangs verweisen konsequent auf etwas, das sich nicht einfach abbilden lässt. Doch Oster erliegt dabei nicht der Versuchung, das Unsichtbare gegenständlich zu machen. Seine Bilder wirken eher wie ein „Freeze“: Farbkörper und Pigmente treffen aufeinander, Lasuren überlagern sich, Ströme verzweigen sich, Formen ziehen sich an oder stoßen einander ab. Man könnte es für ein Vibrato der Malerei halten, „Schwingungen und Gegenschwingungen“, wie es Bettina Nolting in ihrem Essay beschreibt.

Oster geht es aber nicht um Kunst und Kinetik, wie man vermuten könnte, sonst hätte er wohl eher einen Oszillator als ein Aquarell verwendet. Und genau diese „old school“-Art unterscheidet ihn von digitalen Positionen wie Refik Anadol, dessen KI-generierte „Data Paintings“ das Unsichtbare gerade durch permanente Bewegung sichtbar machen. Anadols Pigmente strömen, mutieren und erzeugen immer neue Formen. Oster wählt den entgegengesetzten Weg und gelingt damit etwas Besonderes: Die Entstehungsgeschichte des Bildes in ihrer Gleichzeitigkeit einzufrieren. Bewegung und Stillstand existieren praktisch nebeneinander. Das Bild zeigt nicht Klang, Resonanz oder Atem. Es zeigt ihre gegenseitige Wirkung als Bedingung – und das ein für alle Mal.

Wie schon in seinem ersten Buch Abstrakte Fresken entsteht die Spannung dabei aus einem Paradox. Dort traf das dauerhaft an die Architektur gebundene Fresko auf die Flüchtigkeit und Portabilität des Aquarells. In Spur des Atems nutzt Oster diesen Widerspruch für das Unsichtbare, und wirft damit eine Frage auf, die die Kunst durch die Jahrhunderte immer wieder begleitet hat:

Wie malt man etwas, das keine abbildbare Physis besitzt?

Osters Malerei nutzt dafür ein physikalisches Prinzip, das man aus der Elektrostatik kennt: Nämlich, dass Reibung Spannung erzeugt. Doch bei ihm sind es nicht Elektronen, die sich aneinander reiben, sondern die Vorstellungen davon, was Malerei überhaupt darstellen kann.

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