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Boris Ferreira

Die Schwarze Serie

Mit Texten von Hanno Millesi und Boris Ferreira

25 €

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Künstlerbuch, 2026
Hardcover

Format 300 x 208 mm

48 Seiten

ISBN 978-3-96703-153-9

Boris Ferreiras Schwarze Serie kreist um Wahrnehmung als offenen Prozess. Hanno Millesi beschreibt dabei nicht die Bilder selbst, sondern die Verschiebungen, die sie im Betrachter auslösen. Ferreira versteht seine Formen als zaghaft, stotternd, scheiternd – als fragile Spuren zwischen Auftauchen und Verschwinden. So entstehen Bildräume, die sich jeder festen Deutung entziehen und sich im Denken des Betrachters fortsetzen. Bevor sie ihm wieder entgleiten.

Auch wenn es sich wiederholt, so ist doch das, was Boris Ferreira in seiner Schwarzen Serie entwickelt, kein festes Bildvokabular. Es ist vielmehr eine Bewegung des Sehens.

Der Schriftsteller Hanno Millesi macht das in seinem Text auf eine Weise sichtbar, die selten ist: Er beschreibt nicht die Bilder – er zeigt, was mit dem Betrachter passiert. Zwei Personen, ein Atelierbesuch, eine Autofahrt danach. Mehr braucht es nicht. Und doch verschiebt sich alles. Die Bilder lassen sich nicht festhalten. Sie setzen sich fort: im Kopf, im Gespräch, in der Zeit. Was im Atelier noch als einzelne Leinwand erschien, beginnt sich zu einer Sequenz zu verbinden, wie ein Film.

Oder genauer: wie ein fortlaufender Denkprozess. Und damit ein klug gesetztes Intro für die weitere Bildbetrachtung. Boris Ferreiras Malerei lebt von der Spannung zwischen zwei Ebenen: einem rauen, bewegten Hintergrund und einer zweiten, fragilen Schicht davor – Linien, Formen, Ansätze von Bedeutung. Doch diese Bedeutungsversuche bleiben bewusst unvollständig. Der Künstler beschreibt sie selbst in seinem Essay als zaghaft, stotternd, scheiternd. Es geht ihm um dieses Erscheinen und Zerrinnen.

Denn das, was im Bild erscheint, erschließt sich nicht derart, dass man es greifen könnte. Man kann nicht verweilen. Jede Bedeutungskonstellation bleibt vorläufig und treibt weiter – wie Wasser, das sich ständig neu formt, wie ein Mobile, das sein Gleichgewicht nur momenthaft findet.

Hiermit berührt die Malerei eine existenzielle Erfahrung, die Ferreira mit dem Kafka-Zitat aufruft, das er im Titel seines Essays „Im Gestrüpp der Auswege“ aufnimmt. Die (Bild-)Erfahrung erscheint nicht als Erkenntnis, sondern als Bewegung. Als permanenter Übergang.

So erklärt sich, warum sich diese Bilder jeder stabilen Lesart entziehen. Sie kippen auch zwischen Maßstäben, zwischen kleinen organischen und weltraumartigen Assoziationen. Was entsteht, ist keine Gestalt, sondern ein Feld von Möglichkeiten. Konstellationen entstehen, zerfallen, werden ersetzt. Sehen wird zu einem Wandeln in Übersetzungen, fern von einem Original.

Ferreiras Malerei berührt damit etwas Grundsätzliches: Dass wir kurz Halt finden, uns aber nicht festhalten können an dem, was wir sehen. Dass wir weitergehen oder getrieben werden – aus einem Mangel, der jedoch den Kern unseres Erfahrens ausmacht. Das Bild ist hier nicht mehr das, was an der Wand hängt. Sondern was es auslöst, bevor es uns wieder entgleitet.

Über die Autoren

Boris Ferreira

1966 in Heidelberg geboren – als Sohn eines Portugiesen im Exil. Nach der Nelkenrevolution (1974) in Lissabon aufgewachsen. Vier Jahre (1984-1988) Schüler der Malerin Anabela Canas; 1989 erste Einzelausstellung in Lissabon. 1985-1989 Studium der Philosophie in Lissabon. 1991 Entscheidung gegen die Malerei und für die Philosophie, Rückkehr nach Deutschland, Studium und Promotion in Philosophie 2000 in Heidelberg und Wuppertal. 2004 Wiederaufnahme der Malerei. Seit 2015 in Offenburg (vorher Köln). Freischaffender Künstler mit gelegentlichen philosophischen Veröffentlichungen

 

Hanno Millesi

1966 in Wien geboren, lebt und arbeitet als Schriftsteller ebenda; Studium der Kunstgeschichte an den Universitäten Wien und Graz; Beschäftigungen als Assistent des Aktionskünstlers Hermann Nitsch sowie am Museum moderner Kunst in Wien; Lehrtätigkeiten an der Schule für Dichtung sowie der Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst in Wien; Preise (u. a.): Reinhard-Priessnitz-Preis 2017, Kunstpreis der Republik Österreich für Literatur 2025. Zuletzt erschienen Zur Zeit der Schneefälle (Roman, 2025), Der junge Mann und das Meer (Erzählungen, 2023); Millesi beschäftigt sich auch mit Bild-Text-Arbeiten in Form von Collagen

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