
Künstlerbuch
24 Seiten
Softcover mit Rückstich
148 x 210 mm
Gestaltung
Caro Mantke
ISBN
978-3-96703-144-7
Karø Goldt untersucht seit Jahren, wie Wahrnehmung entsteht – und wie sie sich durch neue Kontexte verschiebt. Ihr Begriff der FRAMES bildet die theoretische und praktische Achse ihres Arbeitens: Er beschreibt die bewusste Setzung eines Rahmens, der Ereignisse, Bilder und Fragmente neu deutet. Damit knüpft Goldt an die Tradition von Gregory Bateson und Erving Goffman an, die den Frame als Struktur verstanden, mit der Menschen Wirklichkeit ordnen. Goldt führt diese Modelle in die künstlerische Praxis über: Jede Hängung, jede Installation ist ein Reframing, das die Bedeutung des Einzelbildes verschiebt und neu ausleuchtet.
Gerade einmal 20 Seiten hat FRAME – die Monografie von Karø Goldt – und verweist dennoch auf eine beinahe ebenso langjährige Ausstellungspraxis. Während einem noch ein „echt jetzt?“ durch den Kopf schießt, ist man schwupps Teil ihres künstlerischen Experiments.
Denn Karø Goldt untersucht seit vielen Jahren, wie Wahrnehmung funktioniert. Folgt man der üblichen Vorfestlegung, dass der Wert eines Werkes und der Umfang seines Kataloges einander bedingen — müssten wir Goldts Werk dann nicht als gering erachten?
Nun, eben nicht. Und genau darin liegt der bemerkenswerte Kunstgriff dieses Büchleins.
Denn Goldt nutzt dazu Frames – einen Begriff der in der Psychologie wie auch der Physik gebräuchlich ist und macht ihn zur Blickachse ihrer Arbeit. Frames beschreiben in der Psychologie die bewusste Setzung von Rahmen, durch die Bilder, Ereignisse und Fragmente neu gelesen werden. Anknüpfend an Denkmodelle von Gregory Bateson und Erving Goffman überträgt Goldt diese auf ihre künstlerische Praxis: Jede Hängung, jede Installation wird zu einem Reframing, das Bedeutungen verschiebt.
Ihre site-spezifischen Foto-Installationen entstehen nie als festes Tableau. Sie werden aus dem eigenen Archiv immer wieder neu zusammengesetzt. Bilder treten in Beziehung, lösen sich, verbinden sich neu. Diese permanente Neuordnung spiegelt eine Gegenwart, in der Gewissheiten nur auf Zeit gelten.
Goldt verbindet diesen existenziellen Druck mit einem zweiten theoretischen Strang: den Grundfragen der Physik. Ihr Interesse an den kleinsten Bausteinen der Welt – von der antiken Atomvorstellung bis zu Schrödingers Quantenmodell – dient ihr als Denkfolie für ihre Methode der Frames.
Wenn sich die moderne Physik darauf einigt, dass Materie größtenteils aus Zwischenräumen besteht, richtet sich Goldts Blick auf genau diese Dazwischenräume zwischen Bildern. Bedeutung entsteht nicht im einzelnen Motiv, sondern in dem Feld, das sie bilden.
Goldt bewegt sich mit ihrer Arbeit an der Schnittstelle von konzeptueller Fotografie, Installation und zeitbasierten Medien. Der Katalog öffnet dieses auf engstem Raum und bündelt die Komplexität ihres Werks wie mit einem Brennglas.
Eine Art reduce to the max. So bestechend klar wie eine gute Formel in der Physik. Nur eben diesmal in der Kunst.
