Eine Kunstbuch-Redaktion funktioniert auch nicht anders als eine Ausstellung.
Ein Katalog oder Künstlerbuch ist keine Ausstellung, klar. Und trotzdem solltest du mit ähnlichen Überlegungen an dein Buch- bzw. Redaktionskonzept rangehen.
Wenn du eine Ausstellung planst, überlegst du auch:
- Welche Arbeiten funktionieren nebeneinander?
- Wo entsteht Spannung?
- Wo braucht es Ruhe?
- Wie endet der Rundgang, wo fängt er an?
- Was ist das Schlüsselbild?
- Wo entdeckt man die einzelne Arbeit im Kontext neu?
Du siehst:
Auch die Kunstbuchredaktion funktioniert nach der Devise:
Objekt und Kontext bestimmen sich gegenseitig.
Wie du die Bildredaktion für ein Kunstbuch
sinnvoll strukturierst:
1. Sammle
mehr als du brauchst.
Die meisten Künstler beginnen zu früh mit dem Aussortieren.
Lege erstmal alle Arbeiten zusammen, die für das Projekt infrage kommen.
Oft entstehen interessante Verbindungen erst, wenn man das gesamte Material auf einmal betrachtet.
2. Druck alles in Klein aus
Arbeite nicht direkt in InDesign.
Drucke die Arbeiten als kleine Vorschaubilder aus oder lege sie digital nebeneinander.
Jetzt kannst du Reihenfolgen ausprobieren, ohne ständig Seiten umzubauen.
3. Denk an Doppelseiten
Viele Bücher werden als Folge von Einzel-Seiten geplant.
Leser sehen aber zwei Seiten. Deshalb solltest du jede Doppelseite als Einheit betrachten. Also: Funktionieren die Arbeiten zusammen? Erzählen sie etwas Neues?
Verstärken sie sich gegenseitig?
4. Denk an die Dramaturgie
Nicht jede Arbeit muss gleich groß erscheinen. Nicht jede Doppelseite muss spektakulär sein.
Manchmal braucht eine starke Arbeit Raum. Manchmal braucht das Auge eine Pause.
Eine gute Buchdramaturgie lebt von Abwechslung.
5. Lass andere mal durchblättern
Beobachte, wo Fragen entstehen.
Wo bleiben Menschen hängen?
Wo verlieren sie den Faden?
Genau dort beginnt später oft die eigentliche Redaktionsarbeit.
Erst dann kommen die Texte.
Wenn die Bildredaktion steht, wirst du eins feststellen:
Bestimmte Arbeiten funktionieren erstaunlich gut nebeneinander. Andere überhaupt nicht. Und das ist der spannende Moment, in dem du darüber nachdenkst, was die Arbeiten verbindet und wie du das am besten erklärst. Bingo. Genau damit bist du mitten in der Textredaktion.
Also, erste Frage für die Textredaktion:
Wie bist du auf das Thema gekommen?
Falls du für deine Antwort jetzt länger brauchst als für ein Glas Wein auf der Vernissage, dann weißt du, das du noch nicht ganz on point bist.
Also:
- Warum grade dieses Thema?
- Das Material?
- Und überhaupt: Wie hat es eigentlich angefangen?
Wie du die Textredaktion für eine Kunstbuch
sinnvoll strukturierst
1. Bevor du neue Texte schreibst…
… sammle alles, was bereits existiert
- Artist Statement
- Ausstellungstexte
- Interviews
- Förderanträge
- Werkbeschreibungen
- Vorträge
- Presseberichte
- Notizen
2. Markiere zentrale Gedanken
Dort liegt häufig der Kern der Arbeit
- Welche Themen tauchen immer wieder auf?
- Welche Fragen beantwortest du ständig?
- Welche Begriffe verwendest du immer wieder?
3. Notiere offene Fragen
Lass andere durch das Buch blättern
- Welche Fragen stellen sie?
- Warum dieses Thema?
- Warum diese Technik?
- Warum diese Werkgruppe?
- Warum dieser Titel?
4. Es muss nicht immer ein Essay sein
Manchmal
reicht auch:
- Artist Statement
- Interview
- Gespräch
- Werkkommentar
- Chronologie
5. Ein erster Test
Beobachte, wo Fragen entstehen.
- Wo bleiben Menschen hängen?
- Wo verlieren sie den Faden?
- Genau dort beginnt später oft die eigentliche Redaktionsarbeit.
- Erst dann kommen die Texte.
Das Autoren-Briefing als Grundlage für Katalogtexte, Essays und Interviews. Hier zum Download.
Perfekt. Die Vorarbeite steht.
- Du hast begonnen,
Zusammenhänge neu zu definieren. - Du hast Fragen gesammelt,
die nach dem Blättern offen bleiben. - Und du hast auch schon eine Antwort,
worum es in deiner Arbeit eigentlich geht.
Genau daraus entsteht später ein guter Text.
Falls du mit einer Autorin, einem Autor oder einer Kuratorin zusammenarbeiten möchtest, hilft ein gutes Briefing dabei, schneller zum Punkt zu kommen.
Deshalb haben wir eine Vorlage für ein Autorenbriefing zusammengestellt.
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