Contact:
verlag@krautin.com 030 30 20 67 50‬

Agneta – eine Grotesk mit buchstäblich mehr Spielraum. 

Ein Interview mit ihrem Designer Guido Schneider / Bfgs und acht Schnitte als Freefont zum Ausprobieren.

Typografie kann in der Buchgestaltung ungewöhnliche Spielräume eröffnen. Wir reden hier aber nicht etwa von der leicht nerdigen Frage “bold” oder “semibold”, sondern von einem kleinem Extra-Werkzeugkasten – den StyleSets – hinter denen sich einzelne Buchstaben, Zahlen und Satzzeichen verbergen.

Die Agneta bietet 18 Variationsmöglichkeiten und zählt damit zu spannendsten OpenType-Fonts zur Zeit. Zum einen, weil du damit das Schriftbild immer wieder spielerisch verändern kannst, ohne, dass die Schrift ihren Charakter verliert. Zum anderen, weil es auch die Möglichkeit bietet, sich einen Lieblingsbuchstaben selbst auszusuchen. Ja, ok, womit wir jetzt wahrscheinlich doch wieder leicht nerdig werden… Egal:

Die OpenType-Möglichkeiten der Agneta im Überblick. 

Acht Schnitte. Acht Fragen.

Kunst und Typo sind gar nicht so verschieden. Der Kölner Schriftengestalter Guido Schneider über das Chamäleonartige einer Schrift. Und wozu das bei der Kataloggestaltung gut sein kann.

Ein Kunstwerk lässt sich oft nicht eindeutig festlegen. Kann eine Schrift das auch? Oder besser: Dieser Offenheit gestalterisch Rechnung tragen?

Ich hab ehrlich gesagt kein Interesse an Schriften, die von Anfang an alles eindeutig festlegen. Klar, am Anfang steht ein bestimmter Charakter. Aber vieles andere bleibt bei der „Agneta“ bewusst offen. Eine OpenType Schrift erlaubt eine bestimmte Wandelbarkeit und bleibt trotzdem in sich stimmig. Diese Möglichkeit der Anpassungsfähigkeit nutze ich in so gut wie all meinen Schriften. Aber manchmal weiß ich auch einfach nicht, welches „g“ ich z. B. lieber mag oder welches richtiger ist – und überlasse die Entscheidung den User:innen.

Du gibst Gestalter:innen die Möglichkeit, Buchstaben zu verändern, ohne den Charakter der Schrift zu verlieren. Was ist der Grund?

Ok, nicht falsch verstehen. Man kann die Buchstaben (bei der Agneta) nicht ändern, sondern einzelne stilistisch unterschiedliche Zeichen tauschen! Hierdurch kann man, mit Blick auf den Inhalt oder das Layout, eine punktuelle oder gesamtheitliche Anpassung des visuellen Ausdrucks erreichen, denn manchmal darf das Schriftbild vielleicht etwas lebendiger sein, manchmal verlangt das Design Klarheit und Ruhe. Auch besteht durch die Alternativen die Möglichkeit, bspw. in Headlines andere – lautere – Zeichen einzusetzen, als im Fließtext oder in Bildunterzeilen, wo andere Anforderungen an Schrift gestellt werden. Der grundsätzliche Schriftcharakter bleibt innerhalb des Layouts aber bestehen. 

Woran merkst Du, dass eine Schrift fertig ist?

Ha! Jetzt, wo sie bei Euch auf der Seite steht. Ok. Im Ernst: Eine Schrift wird wahrscheinlich genauso wenig fertig, wie eine künstlerische Arbeit. Man findet immer etwas, das man noch anders oder besser machen könnte. Und bei ca 250–300 Basiszeichen, die alle miteinander korrespondieren müssen und ein harmonisches Schriftbild erzeugen sollen, hat eine kleine Veränderung eines Details manchmal große Auswirkungen.  

Künstlerische Arbeit verbindet Recherche, Intuition und Handwerk. Wie sieht dieses Zusammenspiel bei dir aus? Wo beginnen bei dir neue Schriften? In Archiven und Büchern – oder in Momenten, mit denen man nicht rechnet?

Ganz unterschiedlich! Mal ist es ein Gedanke, ein Wort, ein potentieller Schriftname. Mal sind es historische Fundstücke, Schriftmuster, alte Buch-Cover, Plakate o.ä. Mal sind es freie Skizzen oder Formfragmente, die sich zu einem Wortbild und dann mit der Zeit zu einem Schriftentwurf entwickeln. Bei Custom Fonts ist die Herangehensweise natürlich strategischer und Konzeptioneller, die Formsuche aktiver.

Was macht die Grotesk für einen Ausstellungskatalog oder Künstlerbuch interessant? Ihre nüchterne Funktionalität, die sich im Gegensatz zu der künstlerischen Arbeit zurücknimmt?

Seifenlose Schriften, und vor allem statische, dem klassizistischen Schriftcharakter entsprechende Schriften, wirken grundsätzlich zurückhaltend klar, oft sogar neutral. So drängen sie sich neben künstlerischen werken nicht in der Vordergrund, verleihen den Texten aber häufig auch keine eigene Stimme. Die Agneta ist eine solche klarer und zurückhaltende Grotesk-Schrift, allerdings mit einer zeitgemäßen, leicht lebendigen Formensprache. So kann sie eine gute Begleiterin für die präsentierten Kunstwerke sein. Sie kann Rahmen oder Bühne sein. Sie kann sich an die (textlichen) Inhalte anpassen, Sie kann flüsternd kommentieren oder aber auch, falls gewünscht, laut und plakativ schreien. 

Wo verortest du deine Schriften – eher in der Tradition oder im Widerspruch?

Sind das Gegensätze? Alle meine Entwürfe orientieren sich an Historischem, spielen aber, zumeist basierend auf einer inhaltlichen Idee oder einem Konzept, mit ästhetischen Möglichkeiten und versuchen typografisches Neuland zu betreten – bis hin zu experimentellen Zeichensätzen, die für den klassischen Textsatz nur bedingt geeignet sind. Diese Bandbreite ausnutzen zu können ist für mich als Schriftgestalter extrem wichtig.

Wem ist die Typografie am Ende mehr verpflichtet? Der Lesbarkeit, der Gestaltung oder kann sie am Ende selbst Teil einer künstlerischen Arbeit werden? Und wo ziehst du für dich die Grenze?

Alles ist möglich, es gibt keine greifbare Grenze. Bei einem Fahrkartenautomaten haben Schrift und Typografie andere Aufgaben, als in der Werbung, in einem Poesie-Büchlein oder eben einem Ausstellungskatalog. Die Frage, welche Schrift ich einsetze und wie ich mit ihr gestalte, ergibt sich also aus dem Kontext und der Zielsetzung. Will ich lange Texte gut lesbar machen? Will ich akzentuieren? Will ich vielleicht gar nicht unbedingt, dass die Texte gelesen werden, sondern nur gesehen oder gefühlt? Insgesamt geht es dabei viel mehr um das Phänomen Kommunikation im allgemeinen, als „nur“ ums Lesen. Somit kann, darf und soll Schrift auch Teil künstlerischer Arbeit sein – und ist in Teilen sogar künstlerische Arbeit. 

Ok. Was wünschst du dir von Künstler:innen, die mit deinen Schriften arbeiten – und was lieber nicht?

Riiiisiko. Ach Quatsch. Ideal ist es, wenn sich die Künstler:innen auf die Schrift einlassen, sie als Gestaltungsmittel begreifen, aktiv und bewusst mit ihr arbeiten – aber auch auf sie hören und sehen, wenn sie sich sträubt. Ansonsten ist es immer spannend zu sehen, was andere mit meinen Schriften machen, wie sie sie einsetzen, wie die Schrift wirkt.

Über Guido Schneider / Bfgs

Bfgs wurde 1996 als Brassfonts von vier Designern gegründet mit dem Ziel, ästhetisch hochwertige und unabhängige Alternativen zur typografischen Monotonie zu schaffen. Guido Schneider ist neben seiner Arbeit als Schriftgestalter in den Bereichen Corporate Design, Logo Design und Designberatung tätig und lehrt Typografie sowie Type Design an verschiedenen Hochschulen, darunter die Köln International School of Design (FH Köln) und seit 2009 die Hochschule Niederrhein in Krefeld. Seine Arbeiten und Schriften wurden u. a. vom ADC und mit dem Red Dot ausgezeichnet.

Agneta von bfgs | Freefont | KRAUTin Verlag

Die Agneta ist eine zeitgenössische Grotesk-Schrift von Guido Schneider (Bfgs). Sie knüpft an frühe serifenlose Schriften an und greift charakteristische Buchstabenformen aus historischen Drucksachen auf, die sie in eine klare, ruhige, zugleich persönliche Formensprache übersetzt.

Ein zentrales Merkmal ist ihre Anpassungsfähigkeit: Über verschiedene OpenType-Stilsets lassen sich einzelne Buchstaben gezielt variieren, bspw. stehen mehrere a-Formen, ein- oder zweistöckiges g, unterschiedliche Varianten von l, r, y, R, Q sowie runde oder eckige Interpunktion zur Verfügung.

So nutzt du die Möglichkeiten der Agenta in InDesign

FREE DOWNLOAD
Privacy Settings
We use cookies to enhance your experience while using our website. If you are using our Services via a browser you can restrict, block or remove cookies through your web browser settings. We also use content and scripts from third parties that may use tracking technologies. You can selectively provide your consent below to allow such third party embeds. For complete information about the cookies we use, data we collect and how we process them, please check our Privacy Policy
Youtube
Consent to display content from - Youtube
Vimeo
Consent to display content from - Vimeo
Google Maps
Consent to display content from - Google